Wie fair kann Handel sein

Vergangene Woche am Montag gab es hier in Köln eine Veranstaltung mit dem Titel „Wie fair kann Handel Sein? – Branchenspezifische Herausforderungen des fairen Handels und Lösungsansätze“. Die habe ich natürlich besucht. Organisiert wurde der im Colabor (Co-Working Space) stattfindende Abend vom Global South Studies Center Cologne.Themen waren die Herausforderungen des fairen Handels in den einzelnen Branchen (Nahrungsmittel, Elektronik, Kleidung) und deren Problemlösungsansätze. Dabei ging es hauptsächlich um Fragen der gerechten Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen. Weniger behandelt wurde das Thema Ökologie. Auf dem Podium saßen Oliver Sendelbach (Nager-IT, produziert faire PC-Mäuse), Carolin Zamor (TransFair e.V.), Vera Köppen (Fair Wear Foundation) sowie Dr. Tijo Salverda (GSSC, Universität zu Köln) und Inge Altemeier (Global Film Productions). Frau Altemeiers Film „Todschick. Die Schattenseite der Mode“ (Global Film Productions, 2016), der sich mit den Produktionsbedingungen in der Textilbranche auseinandersetzt, konnte zum Ende des Abends dann geschaut werden.

Gemeinsam war man sich einig, dass der Begriff „fair“ schwer zu definieren ist, da jede/r etwas anderes darunter versteht. Ganz allgemein muss es um sozial verantwortliche Produktion gehen. Auf dem Weg zur Erreichung solcher fairen Bedingungen gehen die teilnehmenden Organisationen unterschiedliche Wege. Während Fair Trade mit Zertifizierungen arbeitet, in die die Produzenten involviert werden, arbeitet die Fair Wear Foundation nicht mit Zertifizierungen. Sie versuchen stattdessen gemeinsam mit den Markenherstellern, Fabriken, Gewerkschaften, NGOs und zuweilen auch Regierungen Standards für faire Arbeitsbedingungen zu gestalten. Aus Sicht von Frau Altemeier ist der Nutzen von Zertifizierungen zuweilen auch fraglich. Die Überprüfung der Einhaltung der Standards entwickle sich zu reiner Bürokratie dahingehend, dass am PC in den Formularen bei den Standardanforderungen einfach nur Häkchen gemacht werden. An den realen Verhältnissen ändert sich aber nichts. Auch die oft unüberschaubaren Lieferketten behindern das Garantieren von fairen Bedingungen in allen Lieferebenen. Eine auf der Internetseite von Nager IT publizierte Grafik der Lieferkette für PC-Mäuse veranschaulicht, wie schwer, bzw. zuweilen sogar unmöglich die Kontrolle und der Einfluss auf die Lieferkette in ihrem Bereich sind.

Frau Altemeier kritisierte, dass viele Firmen keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen und sie stattdessen auf die Verbraucher abladen. Für die Zukunft wünscht man sich, dass die Erstellung von Zertifizierungen überflüssig wird. Sozial verantwortliche Produktion müsse gängige Praxis werden. Auf dem Weg dorthin sieht man aber auch den Gesetzgeber mit in der Verantwortung. Positiv wurde der 2015 in England in Kraft getretene Anti-Slavery-Act angeführt.

Vor dem Hintergrund, dass das Setzen und Durchsetzen von Standards meistens durch die westliche Welt erfolgt und diese dadurch auch in eine „Machtposition“ versetzt wird, sollten die Produzenten mehr und mehr in die Lage versetzt werden, selber zu entscheiden, wie sie arbeiten und leben wollen. Wie schwierig der Weg dorthin noch ist, zeigt eine neue Studie des holländischen “Centre for Research on Multinational Corporations“ (SOMO) über die Bekleidungsindustrie in Myanmar (ehemals Burma). In diesem vom Militär kontrollierten Land hat die Bekleidungsindustrie ein neues Billigstproduktionsland gefunden. So hat SOMO in der Studie z.B. Belege für Kinderarbeit gefunden und auch der landeseigene Mindestlohn wird noch unterlaufen. Wegen der niedrigen Löhne und sehr günstigen Geschäftsbedingungen ist Myanmar mittlerweile für die Bekleidungsindustrie so attraktiv, dass auch Fabrikbesitzer aus China und Korea ihre Produktion dorthin verlagert haben. Weiterer Auftraggeber ist neben H&M und Primark auch Takko. Pikant daran ist, dass Takko Mitglied in der Fair Wear Foundation ist. Die Firma hat auf Anschreiben mitgeteilt, dass sie mittlerweile im Produktionsland mit den Fabriken Gegenmaßnahmen ergreift. Und die Fair Wear Foundation verweist auf die bekannten Probleme mit der komplexen Lieferkette.

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