Rafael Kouto und die „Ent-Westlichung“ der Mode

Rafael Kouto, ein in der Schweiz geborener junger Textil- und Modedesigner mit togolesischen und italienischen Wurzeln zählt zu den talentierten neuen Designern. Und er hat eine „Mission“: er möchte die Mode „ent-westlichen“. Auf der Suche nach Material für seine neue Kollektion durchforstete er Altkleiderhalden in den Niederlanden und der Schweiz nach weggeworfenen Kleidungsstücken. Der Designer war überrascht von der Fülle der vorgefundenen Bekleidungstücke, darunter nicht wenige brandneue Markenklamotten, an denen noch die Etiketten der Labels hingen. Das Wegwerfen solcher nicht oder kaum gebrauchter teurer Kleidung wirft für ihn die Frage nach der sozialen Verantwortung der Labels auf. So fragt er sich, ob es nicht die Aufgabe der Produzenten sei, solche Kleidungsstücke selber einzusammeln.

„All the nothing that will remain“ ist seine Lösung. Dabei handelt es sich um eine Kollektion aus 6 aus Altkleidern hergestellten Kleidungsstücken. Kouto hat in den Niederlanden am Sandberg Institut studiert, was ihm einen idealen Rahmen für die Entwicklung seiner Vorstellung von nachhaltiger Mode schaffte, bei der die Stoffe der Altkleider zur Produktion neuer Modelle genutzt werden. Unten ist Koutos Graduate Show zu sehen, bei der er die wechselnden Mondphasen thematisiert.

RAFAELKOUTO |  GRADUATE SHOW 14 from RafaelKouto on Vimeo.

Geprägt wurde Kouto auch vom der Satz „Ich schicke dem Westen das zurück, was ihm gehört und verweigere mich der Konsumgesellschaft mit all ihren Gütern, die uns jeden Tag überfluten“ des beninischen Künstlers Romuald Hazoumé. Während Studenten z.B. in Südafrika versuchen, ihre Studieninhalte zu dekoloniasieren, geht Kouto einen anderen Weg mit einer, wie er sagt, „Ent-Westlichung“ der Mode. Dies bedeutet für ihn die Transformation der Funktionalität, des Designs, der Ästhetik und der Produktion von Fast Fashion. Er will weg von einem globalen Modesystem mit all seinen negativen Auswirkungen hin zu einem lokal basierten Produktionssystem. Seiner Ansicht hat Mode als Teil des Koloniasierungprozesses traditionelle einheimische Kenntnisse und Fähigkeiten zerstört. Angesichts der Tatsache, dass die westliche Mode immer noch eine hegemoniale Stellung einnimmt, sollte sich Afrika seines kulturellen Erbes besinnen. „All the nothing that will remain“ präsentiert eine hybride Ästhetik afrikanischer und westlicher Einflüsse durch die Mischung von gedruckten, gestickten und gewebten Stoffen mit upcycelten Materialien.

Kouto sieht die nächste große Bewegung in der Mode neben dem Thema Nachhaltigkeit in einer ethischen bewußtseinsschaffenden „Modebewegung“, die über T-Shirt-Slogans hinausgeht. Dabei spielt auch das Engagement der Konsumierenden eine Rolle. Daher sollte Mode Open Source gehen, um den Verbraucher in den kreativen Prozess einzubinden. Es gibt auch akademische, soziale und pädagogische Aspekte der Mode, die noch wenig bekannt sind. Kouto zielt darauf ab, den Raum des Ateliers zu erweitern, wo Wissen als Open Source geteilt wird, um den kreativen Prozess sowie die verwendeten Techniken, Methoden und Werkzeuge zu veranschaulichen, die für die Herstellung von Kleidungsstücken notwendig sind. Zu seiner Kollektion „All the nothing that will remain“ hat er eine Publikation erstellt, die Einblicke in sein Konzept und Anweisungen zur Herstellung von Kleidung aus Abfällen gibt. (Habe die Publikation nicht im Internet gefunden, hier gibt`s aber die „All the nothing that will remain“-Kollektion anzuschauen). Kouto glaubt fest daran,dass Mode die Welt zum Besseren verändern kann, weil sie als universelle Bildsprache einer der einflussreichsten Aspekte der Kultur bleibt (Quelle).

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